13. Oktober 2019 (So.) | Von: Katholisches Stadtdekanat Bonn | Pressestelle

Applaus beim Stadtpatronefest

Stadtdechant hält Pladoyer gegen Extremismus und für Zivilcourage

Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken predigte am Stadtpatronefest -

Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken predigte am Stadtpatronefest

Bonn. Mit lang anhaltendem Applaus antwortete die Gottesdienstgemeinde auf die engagierte Predigt des Bonner Stadtdechanten, Dr. Wolfgang Picken, im Hochamt zum Bonner Stadtpatronefest. Der oberste Vertreter der Katholiken in Bonn äußerte darin seine Sorge über den Zustand und die Zukunft der demokratischen Gesellschaft. Er forderte die anwesenden Vertreter des Rates und der Verwaltung sowie alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, eine "große Koalition der Vernünftigen" zu bilden. "Wir sind gefordert, unsere Stimme zu erheben, für die Ideale Jesu zu werben, die Fundamente unserer Kultur zu sichern und extremistischen Kräften entschieden zu begegnen. Wir haben eine historische Verantwortung und unsere Stadtpatrone fordern uns auf, sie wahrzunehmen," so Dr. Picken.


Die Parteien mahnte er mit Blick auf den bevorstehenden Wahlkampf zur Oberbürgermeisterwahl, fair miteinander zu streiten und bewusst darauf zu achten, wie und über was sie im Wahlkampf reden. "Statt sich im innerparteilichen oder zwischenparteilichen Kleinkrieg zu verschleißen, davon profitieren nur die extremen Kräfte, gilt es gemeinsam, den extremistischen Entwicklungen und den Gefährdungen unserer Zukunft zu begegnen" erklärt der Stadtdechant.
Dr. Picken wies in seiner Predigt unter Bezug auf den Terroranschlag in Halle auch unmissverständlich darauf hin, dass das Judentum zur Identität Europas gehört. Jeder pauschale Angriff gegen das Judentum stelle die Fundamente der westlichen Kultur in Frage. "Wer die Waffe gegen einen Menschen erhebt, gleich wen, wer seinen Hass pauschal gegen das Judentum, auch gegen den Islam richtet, greift immer auch das Christentum, das moderne Europa, jede westlich abendländische Tradition in ihren Fundamenten an. Wer in der Zuteilung von Würde und Lebensrecht Unterschiede macht, fällt in Barbarei zurück und bereitet der Tyrannei den Weg", so der Stadtdechant.


Die Herkunft der Bonner Stadtpatrone - sie waren im Rheinland stationierte Söldner aus dem Norden Afrikas und gehörten zu den ersten Christen - nahm Dr. Picken zum Anlass für den Hinweis, dass viele Errungenschaften der politischen und sozialen Ordnung Europas ein Import aus dem Nahen Osten und dem Norden Afrikas sind: "Hätten sie damals nicht die Bereitschaft gezeigt, zu uns in die Fremde, zu den Barbaren der Antike, zu kommen, um uns für den Glauben an Christus und ihre neue Idealen zu gewinnen, wir stünden heute kultur- und ideengeschichtlich nicht da, wo wir uns befinden." Bonns Stadtdechant leitete daraus die besondere Verpflichtung Europas ab, den Völkern dieser Regionen und den vielen Flüchtlingen aus diesen Krisengebieten engagiert zu helfen.

Zugleich verdeutlichte der Münsterpfarrer auch, dass es die moralische Pflicht zur Flüchtlingshilfe gebe, "weil die westliche Art zu leben, eine der zentralen Fluchtursachen sei: Unsere Marktinteressen, unser Rohstoffbedarf und unsere Emissionen, unser Verlangen nach Vormacht und Vorteil, unsere strategischen Entscheidungen steuern die Entwicklungen in diesen Ländern. Wir sind alles andere als unschuldig". Entsprechend unterstrich Dr. Picken, dass die humanitäre Hilfe, die gegenwärtig geleistet würde, nicht ausreichend sei und am Ende die Glaubwürdigkeit der abendländischen Werte von Solidarität und Liebe in Frage stellt.

Viele hundert Gläubige waren der Einladung zur Feier des Stadtpartonefestes in die Remigius-Kirche gefolgt. Unter den Gästen zum Fest von Cassius und Florentius waren neben dem Oberbürgermeister zahlreiche andere Vertreter des Rates und der Stadtverwaltung in Bonn. Zu Beginn wurde vom Oberbürgermeister Ashok-Alexander Sridharan das Kerzenopfer der Stadt dargebracht, das es seit dem Mittelalter gibt.

 

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Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken predigte am Stadtpatronefest - Oberbürgermeister Ashok Sridharan entzündete die Kerze des Bonner Stadtrats -

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