15. Juni 2017 (Do.) | Von: Katholisches Stadtdekanat Bonn | Pressestelle

Geht, teilt das Brot

Tausende Katholiken feiern in Bonn Fronleichnam – Mehr als 1000 Gläubige ziehen durch die Innenstadt – Letztes Fronleichnamsfest im Bonner Münster vor der Generalsanierung - Prozession führte erstmals

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BONN. Mehr als 10.000 Katholiken haben in Bonn das Fronleichnamsfest in Bonn mit Gottesdiensten und festlichen Prozessionen gefeiert. Mehr als 1000 Gläubige nahmen teil an der großen Prozession durch die Innenstadt. Zuvor feierte Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher im Bonner Münster die Eucharistie gemeinsam mit Priestern aus den Innenstadtpfarreien, des Collegium Albertinum und der Katholisch-Theologischen Fakultät.

Die zentrale Feier stand unter dem Leitwort "Geht, teilt das Brot". Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher rief in seiner Predigt in Erinnerung, was Brot zu haben bedeute angesichts von mehr als 50 000 verhungernden Menschen täglich und wachsender Ungleichheit: "Für die Armen ist Brot ein Schutz gegen Hunger, ja gegen den Hungertod. Nur die Reichen und Satten können so tun, als habe Brot für das Leben eine nebensächliche Bedeutung."

Schumacher bezog sich dabei auf ein Experiment eines englischen Journalisten, der Menschen in verschiedenen Städten aufforderte, für ein Brot eine Stunde lang zu arbeiten. Während ihm in Städten des globalen Nordens Unverständnis und Ablehnung entgegenschlug, boten sich in Indien hunderte Menschen an, die gar einen Tag für das Brot arbeiten wollten.

Armut schaue uns täglich an mit tausenden Gesichtern, so Schumacher. Er zitierte Papst Franziskus, der am Welttag der Armut sagte, dass: "heutzutage immer mehr ein unverschämter Reichtum zutage tritt, der sich in den Händen weniger Privilegierter ansammelt und der nicht selten mit Illegalität und der beleidigenden Ausbeutung der menschlichen Würde einhergeht".

In Anlehnung an das Gleichnis der Brotvermehrung appellierte Schumacher: "Heute hört man gerne: "man kann nicht allen helfen" - und findet sich dadurch darin bestätigt, nicht helfen zu müssen." Dabei zähle auch das Geringste: "Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt - heißt es in einem neuen geistlichen Kinderlied. Es gibt kein Verstecken hinter der Entschuldigung: "Ich kann sowieso die Welt nicht ändern!""

Neben der Aufforderung, das Brot zu teilen, stellte Stadtdechant Schumacher einen weiteren Aspekt ins Zentrum der Fronleichnamspredigt: "Wir haben in unserem Leitwort dem Teilen noch einen anderen Imperativ vorangestellt: Geht! - "Gehen" - ist ein Lieblingswort von Papst Franziskus. Für ihn ist die Kirche eine Gemeinschaft im Aufbruch, die die bequeme Wohnzimmercouch verlässt, von wo aus sich so schön die Welt beobachten lässt.

Er appellierte an die Gläubigen, nicht hinauszugehen, um bloßes "Katholisch sein" zur Schau zu stellen: "Wir tun es, weil wir als Kirche nur existieren können, wenn wir hinausgehen zu den Menschen draußen, zu den Gläubigen und Ungläubigen, zu den Menschen in der Welt."

Und zwar nicht mit Programmen, Rezepten, Konzeptionen oder "besserwisserischen Ratschlägen", wie er erklärte: "Wir gehen hinaus mit einem Stück Brot, das für uns auf geheimnisvolle Weise Jesus selbst ist - aber von dem schon im Abendmahl gesagt wird, dass es geteilt wird."

Die Prozession zog nach dem Gottesdienst im Bonner Münster durch die Innenstadt. Auf dem Marktplatz hielt die Prozession zu einer kurzen Andacht an. Am Alten Rathaus gingen Mitarbeiter der Bahnhofsmission, der Telefonseelsorge und die Bonner Bürgermeisterin Gabriele Klingmüller in kurzen Statements auf das Thema "Teilen" ein.

Klingmüller erklärte: "Teilen, anderen etwas abgeben, andere Anteil nehmen lassen und Teilhabe ermöglichen, trägt auch ganz wesentlich zu einem gelingenden Miteinander als Stadtgesellschaft bei. Wir können uns als Stadt glücklich schätzen, dass es in Bonn viele Menschen gibt, die ihre Zeit teilen, indem sie sich ehrenamtlich engagieren."

Der Leiter der Bonner Bahnhofsmission Gregor Bünnagel stellte fest, dass Zeit mit Menschen zu teilen manchmal fast wichtiger als Brot zu essen sei. "Manchmal ist es auch einfach das Schenken von Zeit im Dasein für den Fall, dass jemand kommt und einen Menschen braucht. Immer wieder erleben dann Hilfesuchende, dass sie in der Bahnhofsmission angenommen sind, so wie sie sind, und jemand seine Zeit mit ihnen teilt, als Geschenk und Zeichen der Wertschätzung und Zuwendung."

Dass auch Zeit Brot sein kann, erklärte auch Michael Probst-Neumann: "Die Telefonseelsorge hat dieses nötige Brot der Zeit Stunde für Stunde, Tag für Tag neu. Es spielt keine Rolle, wann wer anruft, wer wann eine Mail schreibt."

Vom Marktplatz aus zog die Prozession nach Sankt Remigius, wo der Eucharistische Segen gespendet wurde.

Es war das letzte Fronleichnamsfest im Bonner Münster, bevor das Bonner Münster für eine mehrjährige Generalsanierung schließt. Das Ende der Prozession in Sankt Remigius ist bereits eine Vorahnung auf die Zeit der Generalsanierung des Bonner Münsters. Nach der Schließung der Basilika am 23. Juli 2017 wird ein Großteil der Gottesdienste in Sankt Remigius stattfinden. Dort sind die Katholische Hochschulgemeinde und das Mentorat der Laientheologen beheimatet.

Nach dem feierlichen Gesang des Te Deum (Großer Gott, wir loben dich) waren alle zu einem Fest der Begegnung in den Garten der Katholischen Hochschulgemeinde eingeladen.

Mitarbeiter der Citypastoral verteilten an die Passanten und die zufälligen Zuschauer in den Straßencafés zweisprachige Handzettel, auf denen erklärt wurde, welchen Sinn die Fronleichnamsprozession für Katholiken hat.

Ein Tag glaubender Überzeugung

An Fronleichnam feiern die Katholiken in besonderer Weise die Gegenwart des Gottessohnes Jesus Christus im Zeichen des geweihten (konsekrierten) Weines und Brotes. Als Ausdruck dieses Glaubens wird dabei seit dem 13. Jahrhundert ein solch konsekriertes Brot - der Leib Jesu - in einem wertvollen Behältnis, der Monstranz, allen sichtbar durch die Straßen getragen. Dabei ist der Fronleichnamstag mit seinen teils sehr farbenfrohen und prachtvollen Prozessionen kein Tag demonstrativer Macht und Herrlichkeit, sondern glaubender Überzeugung.

 

 

 

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